Menschen mit Morbus Bechterew sind wegen der Corona-Pandemie besorgt. Ist ihr durch die Medikation heruntergefahrenes Immunsystem für Viren besonders anfällig? Was passiert jetzt mit der laufenden Therapie? Und vor allem, welche Schutzmaßnahmen können sie ergreifen? Wichtig ist: keine Panik und die geltenden Bestimmungen befolgen! 

Keine Panik und Hygiene-Regeln einhalten!

Die Auswirkungen einer Infektion mit Coronaviren (COVID-19, 2019-nCoV) sind nach derzeitigem medizinischen Stand noch nicht sicher abzuschätzen: Das gilt für ansonsten Gesunde wie auch für Menschen, die an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen leiden.

Grundsätzlich gilt: Die Ansteckungsgefahr mit den aktuellen Coronaviren ist für Patienten mit Morbus Bechterew nicht höher als bei anderen Keimen, beispielsweise durch die jährliche Grippewelle. Insofern gelten für Bechterew-Patienten, die ansonsten gesund sind, die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie für alle anderen auch. Wer ruhig bleibt, diese befolgt und Stress vermeidet, stärkt seine Abwehrkräfte.

Um sich zu schützen, sollten Betroffene die Handhygiene- und Abstandsregeln einhalten.

  • No Handshake! Das Händeschütteln unbedingt vermeiden. 

  • Möglichst wenig ins Gesicht fassen, da Mund-, Nase- und Augenschleimhäute Eintrittswege für das Virus darstellen

Hände waschen
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  • Nach dem Naseputzen, dem Toilettengang oder dem Einkaufen sollten die Hände mindestens 30 Sekunden lang gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden.

  • Beim Kontakt mit anderen Menschen empfehlen Virologen einen Abstand von mindstens 1,5 Metern, um sich nicht anzustecken.

  • Um andere nicht zu gefährden, sollte in den Ellenbogen geniest und Einmaltaschentücher sofort entsorgt werden.

  • Bleiben Sie nach Möglichkeit zu Hause. Soziale Distanzierung bietet einen wirksamen Schutz vor Infektionen. Nehmen Sie Kontakt auf zu Ihrem Arbeitgeber, inwiefern eine Kontaktvermeidung am Arbeitsplatz möglich ist. Sie können sich ein Attest ausstellen lassen, dass Sie eine immunsuppressive Therapie erhalten und sich mit diesem an Ihren Arbeitgeber wenden. Den Link zur Attestvorlage findet Ihr Arzt auf der Webseite www.dgrh.de bei Eingabe von „Corona Attest“ in die Suchfunktion der Webseite.

Muss ich eine Therapiepause einlegen?

Jegliches Medikament, das ins Immunsystem eingreift, kann ein erhöhtes Infektionsrisiko mit sich bringen: Wie auch Medikamente zur Behandlung von Morbus Bechterew, die den Entzündungsvorgängen entgegenwirken, indem sie das überaktive Immunsystem unterdrücken. Es besteht kein Anlass, eine Therapie aus Furcht vor einem Infekt mit COVID-19 vorsorglich abzubrechen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber und entscheiden Sie gemeinsam das weitere Vorgehen.

Was ist das Coronavirus?

Das Virus heißt offiziell SARS-CoV-2. Die Erkrankung, die durch das Virus hervorgerufen wird, heißt COVID-19. Zum ersten Mal aufgetreten ist die Lungenerkrankung Mitte Dezember 2019 in China. Vermutlich wurde es von einem Tier auf einen Menschen übertragen und wird nun von Mensch zu Mensch, z.B. über Tröpfchen beim Husten und Niesen, übertragen.
 

Arztgespräch
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Welche Krankheitszeichen bekomme ich?

Eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 kann zu Symptomen wie Fieber, trockenem Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit führen, auch Atemprobleme, Halskratzen, Kopf und Gliederschmerzen und Schüttelfrost wurden berichtet. Einige Betroffene leiden an Übelkeit und Durchfall. Bei einem eher kleinen Teil der Patienten scheint das Virus mit einem schwereren Verlauf einherzugehen und zu Atemproblemen und Lungenentzündung zu führen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums verliefen bei den aus China berichteten Fällen vier von fünf Infektionen mild. Die Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe nimmt mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zu. Im Verdachtsfall sollten Betroffene den Hausarzt anrufen – auf keinen Fall direkt in die Praxis gehen – und das weitere Vorgehen gemeinsam besprechen.

Wie komme ich gut durch die Corona-Zeit?

Besonnenheit im Umgang mit der Verbreitung des Coronavirus und den oben genannten Hygienemaßnahmen ist das Wichtigste. Dazu zählt auch der Appell, nicht erforderliche Außenkontakte einzuschränken. Dies gilt in besonderem Maße für alle besonders gefährdeten Personengruppen. Das ist für keinen von uns leicht. Jedoch sollten wir uns dessen bewusst sein, dass es nur eine vorübergehende Einschränkung zum Wohle aller ist.

Die rheumatologischen Fachgesellschaften empfehlen außerdem eine Vervollständigung des Impfschutzes, insbesondere gegen Influenza, aber auch gegen Keuchhusten und Pneumokokken.

Wo finde ich weitere Informationen?

Auf den Internetseiten des Robert-Koch-Instituts (RKI) und den Internetseiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) finden Sie stets aktuelle Informationen zur COVID-19 Epidemie und auch allgemeine Schutzmaßnahmen.

Informationen für speziell für rheumatologische Patienten finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und auf der Internetseite der Deutschen Rheuma-Liga.

Die hier gegebenen Informationen basieren auf den derzeit verfügbaren Erkenntnissen (Stand: 26.03.2020). Bitte berücksichtigen Sie, dass sich aufgrund der anhaltenden Dynamik jederzeit Änderungen ergeben können und informieren Sie sich darüber.

QUELLEN

1. Aktuelle Handlungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V. für die Betreuung von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen während der SARS-CoV-2/ Covid 19-Pandemie, https://dgrh.de/Start/Publikationen/Empfehlungen/Therapie-beibesonderen-Situationen/Empfehlungen-während-der-SARS-CoV-2-Covid-19-Pandemie.html, Stand 25.03.2020
2. Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), https://dgrh.de/Aktuelles/Ma%C3%9Fnahmen-in-Zusammenhang-mit-den-Infektionsrisiken-durch-COVID-19.html, Stand 18.03.2020
3. Stellungnahme der Deutschen Rheumaliga, https://www.rheuma-liga.de/aktuelles/detailansicht/coronavirus-infos-fuermenschen-mit-rheuma, Stand 20.03.2020
4. Stellungnahme der Europäischen Gesellschaft für Rheumatologie (EULAR), https://www.eular.org/eular_guidance_for_patients_covid19_outbreak.cfm, Stand 18.03.2020
5. Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, https://dgrh.de/Start/DGRh/Presse/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen/2020/Pressemitteilung-Nr.-3-2020.html, Stand 20.03.2020
6. Steckbrief zum neuartigen Coronavirus des Robert-Koch-Instituts, https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html, Stand 25.03.2020